Abschied vom Ehrenamt – Rückblick voll Wehmut auf eine schöne und erfüllte Zeit

Vorwort

Dieser Brief ist für all diejenigen bestimmt, denen wir in den vergangenen Jahren bei unserer Arbeit für das Ronald McDonald Haus Leipzig begegnet sind, die uns kennen gelernt haben und die sich jetzt fragen: Warum dieser Abschied?

Er ist aber auch gerichtet an die Adresse derjenigen, die durch ihr Handeln dafür gesorgt haben, dass uns ein weiteres Wirken für das Haus unmöglich geworden ist.

Liebe Eltern, liebe Freunde und Wegbegleiter des Ronald McDonald Hauses Leipzig,

Angehörigen schwer kranker Kinder ein „Zuhause auf Zeit“ zu geben war über viele Jahre hinweg Motivation und Leitgedanke unserer Tätigkeit im Ronald McDonald Haus Leipzig. So war es stets unser Anliegen, die Zeit der Ungewissheit, des Wartens und des Bangens für die Eltern der im Leipziger Universitätsklinikum behandelten Kinder ein Stück weit erträglicher zu machen und etwas Hoffnung und Zuversicht zu spenden.

Unser freiwilliges Engagement im Haus leisteten wir stets ohne auf die Uhr zu schauen, wenn wir unsere Arbeiten im Hause verrichteten, mit Rat suchenden Eltern in ein persönliches Gespräch kamen oder einfach nur Hilfestellung bei Alltagsproblemen gaben. Ob regelmäßig ausgeführte Wochen(end)dienste oder Engagement bei öffentlichen Veranstaltungen rund um das Leipziger Elternhaus, zu jeder Zeit trugen wir den Stiftungsgedanken „Nähe hilft heilen“ der McDonald’s Kinderhilfe stolz in unserem Herzen und gleichermaßen in die Welt hinaus. Dabei waren wir durch die erlebte Erfahrung motiviert, dass das Ronald McDonald Haus Leipzig für die Eltern ein echter Rückzugspunkt und Quell für das dringend notwendige Sammeln neuer Kräfte in ihren schweren Zeiten war. Die warmherzige Atmosphäre, die einer wohl einzigartigen Gemeinschaft aus Hauptamt, Ehrenamt und Eltern entsprang, prägte das Leipziger Haus und machte es für viele zu einem wirklichen Zuhause auf Zeit. Hausleiter Michael Lindner, seine Frau Silke und der gemeinsame Sohn Timur sowie Brigitte Müller als engagierte Hauswirtschafterin haben es mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Einstehen für Werte wie Menschlichkeit, Geradlinigkeit und Gerechtigkeit geschafft, dass das Haus für Eltern aus aller Welt und auch für viele ehrenamtliche Mitarbeiter ein zweites Zuhause wurde und die hier zusammentreffenden Menschen zu einer freiwilligen Großfamilie verband. Respektvoller Umgang miteinander, gegenseitige Achtung und Vertrauen waren dabei unauslöschliche Grundfesten unserer Gemeinschaft.

Der Anlass zum Aufenthalt im Haus war für die betroffenen Eltern nie ein positiver und sehr oft lagen in all den Jahren Trauer und Freude, Unglück und Glück dicht beieinander. Aus tiefstem Herzen danken wir daher dafür, dass wir in unserer Zeit im Elternhaus auch viele gemeinsame Momente des Glücks erleben durften. Sei es, wenn der Heilungsprozess eines Kindes merklich voranschritt oder wenn dank vollständiger Genesung der lang ersehnte Tag der Heimreise kurz bevorstand. Genau aus diesen Momenten, aus Ihren beständig positiven Rückmeldungen erwuchsen für uns ehrenamtliche Mitarbeiter die stetige Kraft und der feste Wille zur Fortführung unseres Engagements im Ronald McDonald Haus Leipzig. Ihr aufrichtig geäußerter Dank gab uns die Gewissheit, dass wir für Sie eine Stütze in schweren Tagen sein konnten.

In den letzten fünf Monaten wurde dieses Besondere am Leipziger Elternhaus unwiderruflich zerstört. Der durch den Stiftungsvorstand demonstrierte kalte und instinktlose Umgang mit Menschen und seine mangelnde Wertschätzung des Haupt- und Ehrenamtes im Ronald McDonald Haus Leipzig haben einen bisher wohl beispiellosen Eklat verursacht. Die Historie der zugrundeliegenden Ereignisse, von der fristlosen Entlassung des Hausleiters bis hin zur nachfolgend ausgesprochenen (und bis heute geltenden) Suspendierung aller ehrenamtlichen Mitarbeiter soll hier nicht weiter aufgeführt werden. In Konsequenz sind wir schlichtweg getragen von dem Wunsch, den Glauben an die Achtung und die Bedeutung des Ehrenamts als solches für uns alle wieder auferstehen lassen zu müssen. Möglich erscheint uns dies nur noch dadurch, dass wir einen Schlussstrich unter den nun mittlerweile mehrere Monate andauernden Dissens mit der Stiftung ziehen. Wir haben uns daher dazu entschlossen, unser Ehrenamt im Rahmen der McDonald’s Kinderhilfe niederzulegen.

Nach wie vor tragen wir die Idee des Elternhauses, die hinter der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung steht, fest in unserem Herzen. Denn sie ist es wert, für sie einzustehen. Es ist einzig die Erkenntnis, dass dieser durch den Stiftungsvorstand bewusst aufrechterhaltene Schwebezustand nicht mehr zu ertragen ist. Und je länger diese schwierige Situation andauert, je länger wir auf eine fundierte Reaktion seitens des Stiftungsvorstandes warten müssen, umso mehr entfernt es uns davon, nach einer eventuellen Rücknahme unserer Suspendierung die Philosophie „Nähe hilft heilen“ weiter im Ronald McDonald Haus Leipzig fortführen zu können. Denn die Frage lautet für uns: Können wir eine Stiftung nach außen vertreten, die eine ihrer tragenden Säulen, ihr Ehrenamt, so derart geringschätzig behandelt und gleichermaßen offen durch eine Suspendierung signalisiert, wie austauschbar wir doch sind? Wir haben schlussendlich feststellen müssen, dass aufgrund dieses enormen Vertrauensbruchs ein Weg zurück in die Arbeit innerhalb der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung für uns quasi unmöglich geworden ist. Wir möchten unsere Energie und unser Engagement als ehrenamtliche Mitarbeiter wieder konstruktiv einsetzen und unseren Blick öffnen können für neue soziale Projekte – für Aufgaben, im Rahmen derer ehrenamtliche Mitarbeiter mit ihrem Willen zum Helfen wertgeschätzt und erwünscht sind.

Michael Lindner hat in seinen bewegenden Abschiedsworten an uns ehrenamtliche Mitarbeiter formuliert, welche Bedeutung die gemeinsame Arbeit im Haus in den Einschätzungen der Familien schwer kranker Kinder hatte: „[...] meine Arbeit zusammen mit Frau Müller und euch als Team war Fundament, Hoffnungsträger, Mutmacher und Seelentröster nicht nur für die Eltern, sondern auch für die betroffenen Kinder und deren Geschwister. Wir haben gemeinsam ein Zuhause auf Zeit gelebt und somit wirklich Hilfe leisten können [...]“. Und auch auf dem Wunschbaum im Ronald McDonald Haus Leipzig war nach unserem Ausschluss zu lesen, dass sich die Eltern die Rückkehr aller ehrenamtlichen Mitarbeiter wünschen – und dies macht uns sicher in dem Glauben, dass unser Dasein im Haus für die Eltern wichtig war und geschätzt wurde, auch wenn uns eine tief empfundene Traurigkeit ob dieses schmerzvollen Ausgangs begleitet.

Wir danken Ihnen allen dafür, dass Sie unser Hilfsangebot so offen annahmen und es zuließen, dass wir für Sie da sein durften. Wir verabschieden uns hiermit von allen, die uns in den zurückliegenden Jahren ihr Vertrauen entgegengebracht haben und uns im Rahmen unserer ehrenamtlichen Arbeit für das Ronald McDonald Haus Leipzig so tatkräftig unterstützten.

Liebe Eltern, liebe Freunde und Wegbegleiter, wenn wir uns nun von Ihnen verabschieden, so tun wir dies in der Gewissheit, dass jedes Ende, so schmerzlich es auch sein mag, die Chance auf einen neuen Anfang in sich trägt. Diese wollen und werden wir nutzen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter des Ronald McDonald Hauses Leipzig

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